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3. Mai 2013

Tipps und Tricks - Argentinien/Chile


Hier noch der zweite Teil unserer „Südamerika“-Zusammenfassung. Argentinien und Chile grenzen zwar im Norden an die Andenländer, haben aber mit der dortigen, indigen geprägten Kultur nicht viel gemeinsam. In Chile wurden wir sogar, von Bolivien her einreisend, mit den Worten „Willkommen in der Zivilisation“ begrüsst. Ein Versprechen, welches nicht immer eingehalten wurde... aber dazu später.

Länder und Leute:

Wir geben’s ja zu, wir haben die ersten Tage in Salta so richtig genossen. Für „Argentinien-Kenner“ mag diese Stadt zwar nicht so speziell sein, nach zwei Monaten in der Andenregion wirkte sie auf uns aber wie eine Oase. Alles schien irgendwie vertraut und organisiert. Plötzlich fielen wir auch optisch nicht mehr auf, und wurden sogar von anderen Touristen für Einheimische gehalten bzw. nach dem Weg gefragt. :-) Nachts noch die Stadt erkunden – kein Problem. Im Gegenteil, sobald es dunkel wird, kommt Leben in die argentinischen Strassen. Sogar Familien mit Kleinkindern sind um Mitternacht noch draussen anzutreffen. Man sieht die europäisch geprägte Geschichte den Menschen und dem Strassenbild an. Nicht nur Spanier, sondern auch Italiener, Deutsche, Waliser, Kroaten und sogar Schweizer haben einzelnen Regionen ihren Stempel aufgedrückt. Leider hat diese Einwanderung auch dazu geführt, dass die indigene Mapuche-Kultur fast ausgestorben ist.

Natürlich fiel uns die kulturelle Verwandtschaft zu Europa vor allem deswegen extrem auf, weil wir uns in den Andenländern schon ein wenig an die dortige Lebensweise angepasst hatten. Hätten wir Argentinien und Chile zuerst bereist, wären uns wahrscheinlich eher die Unterschiede als die Ähnlichkeiten zur Heimat aufgefallen. Denn auch diese Länder sind in vielen alltäglichen Belangen typisch südamerikanisch. Oberste Regel: Immer Kleingeld und WC-Papier griffbereit haben, das ist nämlich Mangelware (im Gegensatz zu streunenden Hunden, die gibt’s auch hier an jeder Strassenecke). Kenntnisse der Landessprache sind in vielen Regionen sehr nützlich, auch wenn man sich mit Englisch in Patagonien und den Hauptstädten gut durchschlagen könnte. Jedoch, auch wer meint, er könne sich in Spanisch verständigen, kommt irgendwann an seine Grenzen. Den argentinischen Dialekt konnten wir zwar mit ein bisschen Übung verstehen und selbst nachahmen, aber beim „Chileñol“ genannte Kauderwelsch Chile’s verstanden wir nur noch Bahnhof. :-)

Ärgerliches:

Alles was im Kapitel „Andenländer“ über Taxifahrer geschrieben wurde trifft auch hier zu. Zwar erkennen diese einen optisch nicht gleich als Touristen, sobald sie’s aber merken, steigen die Fahrpreise rasant an. Tipp: In grösseren Städten besser gleich die U-Bahn oder den lokalen Bus nehmen.

Auffälliges:

Chile und Argentinien sind sich geschichtlich sehr ähnlich. Beide Länder sind geprägt von Einwanderern aus Europa, sie haben Militärdiktaturen und turbulente Wirtschaftskrisen durchlebt und gelten wirtschaftlich als Schwellenländer. Trotzdem haben wir die jeweiligen Bevölkerungen als ziemlich verschieden erlebt.

Das Vorurteil, die Argentinier seien arrogant, trifft unserer Meinung nach überhaupt nicht zu. Wir erlebten die Einheimischen grösstenteils als sehr hilfsbereite und freundliche, wenn auch sehr laute Menschen. :-)  Ob die Argentinier durch die anhaltenden Wirtschaftsprobleme auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wurden, oder ob dieses Vorurteil schon immer falsch war, können wir hier nicht beurteilen. Der Nationalstolz beschränkt sich meist auf Fussballer wie Messi und Maradona sowie (neuerdings) den Papst, aber sicher nicht auf die Politik und Wirtschaft des Landes. Viele Argentinier spüren die Krise am eigenen Leibe. Die Währung wird immer schwächer, und somit alle Güter (insbesondere Lebensmittel) immer teurer, auch wenn die Regierung dies offiziell bestreitet. Auch Langstrecken-Busfahrten können sich mittlerweile nur noch Besserverdienende und Touristen leisten. Doch die Argentinier jammern nicht; im Gegenteil, viele entwickeln erst recht einen Unternehmer-Instinkt. Egal ob Hostelbetreiber, Kellner oder Supermarkt-Verkäuferinnen, wir spürten vielfach eine Arbeitsfreude und Motivation, welche wir so nicht erwartet hätten.

Beim Nachbarn Chile merkt man dann, dass die Regierung in den letzten Jahren sehr vieles richtig gemacht haben muss. Die Infrastruktur ist durchdacht, die Wirtschaft stabil bis wachsend und die Busse der grossen Unternehmen fahren auch meist pünktlich. :-) Diese spürbare Organisation ist in Südamerika tatsächlich eine Seltenheit, und macht die Chilenen auch sehr stolz und patriotisch. Man ist so fest überzeugt, die einzige zivilisierte Nation der Region zu sein, dass die Nachbarstaaten vielfach belächelt werden.

Aber trotz dieser hervorragenden Rahmenbedingungen sieht die Realität nicht immer so perfekt aus. Viele alltägliche Dinge scheitern, im Gegensatz zu Argentinien, meist an der mangelnden Arbeitsmotivation der Bevölkerung. Das Motto „der Lohn kommt ja sowieso, egal wie hart ich arbeite“ scheint hier sehr verbreitet zu sein, und Kunden werden vielfach als unwillkommene Störung angesehen. Sei es bei der münzsortierenden Glacéverkäuferin, den tratschenden Schuhverkäuferinnen, der SMS-schreibenden Hostelreceptionistin, usw. (PS: Das Glacé haben wir dann bei der Fast-Food-Kette nebenan gekauft, da uns erwähnte Verkäuferin auch nach 5 Minuten nicht bemerken wollte. *g*)

In die selbe Kategorie fallen auch sonstige Unbequemlichkeiten, welche wir eigentlich eher in den Andenländern erwartet hätten. Zum Beispiel die leeren Bancomaten in San Pedro und das nicht funktionierende Reservationssystem des Hostels in Puerto Natales. Grundsätzlich wären die Voraussetzungen ja gegeben, aber wenn die verantwortliche Person keine Lust hat den Job zu machen, bringt dies leider auch nichts.

Natürlich gibt es auch sehr viele zuvorkommende, freundliche und fleissige Chilenen, welche sich über oben beschriebene Problematik in ihrem Land ziemlich ärgern. Gute Eindrücke sammelten wir vor allem in kleineren, privat geführten Geschäften/Hostels/Restaurants, wo die Eigentümer selbst hinter der Kasse stehen. Sinnbilder hierfür sind z.B. die pensionierte ältere Dame unseres Hostels in Puerto Montt (inkl. Frühstück in der Familienküche) oder der taubstumme Herr, der es schaffte, uns ohne Worte in seine Frisch-Fisch-Beiz in Anselmo zu locken.

Kulinarisches:

Wie haben wir uns auf das argentinische Essen gefreut! Nach zwei Monaten Reis und Hühnchen in den Andenländern gönnten wir uns, kaum über die Grenze, gleich ein herzhaftes Stück Rindfleisch. Ob im Restaurant oder selbst gegrillt, ob „Bife de Lomo“ (Fillet) oder „Bife de Chorizo“ (Rumpsteak)... alles was über argentinisches Rindfleisch gesagt wird, stimmt. Und vor Ort schmeckt’s nochmals besser, als nach einer langen „Export“-Reise über den Ozean. Zudem gehört das Asado (eine Art XXL-Grillparty) seit Ewigkeiten zur Landeskultur. Trotzdem, oder gerade deshalb, weiss ich nicht, ob wir jemals wieder ein argentinisches Steak in der Schweiz kaufen werden... es ist halt einfach nicht dasselbe, und abgesehen davon auch um ein Vielfaches teurer als bei den Gauchos. Da klopfen wir dann zuhause lieber beim Bauer an. :-)

Neben dem omnipräsenten Fleisch und dem weltbekannten Rotwein (Malbec/Carménère) haben Argentinien und Chile auch noch ein paar weniger berühmte, aber nicht minder leckere Spezialitäten im Angebot. Unsere Hitparade:

1. Platz: Dulce de Leche (Ultrasüsse caramelisierte Kondensmilch für auf’s Brot, in Chile „Manjar“ genannt)

2. Platz: Alfajores (Bisquits mit „Dulce de Leche“-Füllung. Unsere Lieblingsmarke: Terrabusi)

3. Platz: Mate (Der bitterste Tee weltweit, aber das hindert niemanden daran, das Zeugs literweise zu trinken. Kein richtiger Argentinier verlässt das Haus ohne Thermoskanne, Becher und „Bombilla“... egal ob’s draussen 40 Grad heiss ist. *g*)

Übernachten:

Zwar sind in Argentinien und Chile wieder alle bekannten internationalen Hotelketten vertreten, wir blieben aber auch dort den kleineren Hostels treu.Für vergleichbare Qualität mussten wir aber doppelt so viel hinlegen wie bspw. in Ecuador/Peru, also ca. USD 40-50 für’s Doppelzimmer. Da die Küchen meist sehr gut ausgerüstet sind, konnten wir mit Selbst-Kochen einige Peso’s sparen. Highlights: "La Tosca" in Puerto Madryn und "Laos" in Mendoza. Zwei gaaaanz gemütliche Hostels mit gemütlichen Gärten, schönen Zimmern und superfreundlichen Gastgebern.

Reisen:

Kaum ein Bereich des Alltags frustrierte uns so stark wie die Busreisen in Argentinien. Einerseits stiegen die Preise in den letzten Jahren massiv an, und wir bezahlten meist doppelt so viel, wie in unserem Reiseführer (Ausgabe 2010) aufgeführt war. Und wir wurden nicht mal über den Tisch gezogen (Einheimische zahlen gleich viel)! In Geldeinheiten ausgedrückt: ca. USD 5 pro Fahrstunde (also 5mal so viel wie in Ecuador/Bolivien).

Und wer denkt, der höhere Preis bedeute höhere Qualität, der wird gleich nochmals enttäuscht. Über die Hälfte unserer Busse war schon bei Abfahrt verspätet... und dann nicht nur ein paar Minuten. Nein, meist bedeutete dies 2-4 Stunden Wartezeit am Busbahnhof ohne Gewissheit, ob der Bus überhaupt noch kommt. Auf der Fahrt zum Reiseziel kam dann meist noch die eine oder andere Panne oder Reparatur dazu, aber das spielte dann eigentlich keine Rolle mehr. :-)
 Es scheint, als hätten die argentinischen Busgesellschaften einfach keinen Peso mehr übrig, um ihre Fahrzeuge zu warten. Man fährt einfach, bis etwas kaputt geht. Sorry Argentinien, aber hier könnt ihr von den Chilenen noch etwas lernen. Dort kosten die Busse zwar auch nicht wenig, sie sind aber wenigstens zuverlässig.

Wenn’s dann mal rollte, dann entschädigte die unglaublich abwechslungsreiche Landschaft aber für vieles... mal abgesehen von den unendlich langweiligen Steppen Patagoniens. :-)



Fazit:

Ein bisschen weniger abenteuerlich als die Andenländer, aber auf eine ganz andere Art und Weise sehr interessant. Besonders aus Argentinien, wo wir auch viel mehr Zeit verbracht haben, nahmen wir sehr schöne Erinnerungen mit.

Finanziell gesehen, haben vor allem die Reisekosten unser Budget stark belastet. Die geplanten USD 45 pro Tag/Person waren somit leider oft zu knapp bemessen. Da wir aber zuvor in den Andenländern deutlich weniger ausgegeben hatten, ging’s am Ende doch wieder auf. :-)

2. Februar 2013

Zurücklehnen und geniessen - Mendoza/Santiago

Langsam aber sicher neigte sich unsere Zeit auf dem südamerikanischen Kontinent dem Ende zu, und wir entschlossen uns, die verbleibenden Tage etwas langsamer anzugehen. Zuerst stand aber der letzte Nachtbus unserer Reise auf dem Programm, von der Schokoladenhauptstadt (Bariloche) ins Weinparadies (Mendoza). Noch ein letztes Mal versuchen zu schlafen und dann das immergleiche Frühstücksmenü in den Magen bringen... diese Erlebnisse werden wir sicher nicht vermissen. J

Umso schöner war dann die Ankunft in Mendoza. Die Stadt gefiel uns schon vor dem ersten Glas Malbec extrem gut. Von Bäumen gesäumte Strassen, weitläufige grüne Parks, autofreie Fussgängerzonen... einfach gemütlich. Das wir dort im Hostel Lao eine der schönsten Unterkünfte unserer Reise vorfanden, passte natürlich auch zum positiven Erlebnis.

Nach zwei Tagen „Bauch-in-die-Sonne-strecken“ rafften wir uns dann doch noch auf, und steuerten die erste Weinregion der Umgebung an, das ruhige „Lujan de Cuyo“. Hier schnappten wir unsere Mietfahrräder und schwangen uns auf den Sattel. Leider waren die Bremsen schon länger nicht mehr gewartet worden, und Nicole musste sich gleich mal mittels eleganter Abrolltechnik vom wildgewordenen Stahlpferd retten.

Mit ein paar Schrammen am Knie ging’s dann aber doch noch los. An unserem ersten Ziel begrüsste uns eine gesprächige ältere Dame, welche ihr Wohnzimmer in einen Degustationsraum verwandelt hat, und dort ihre selbsgemachten Delikatessen anbietet. Von Olivenöl über Auberginenpaste, bis Apfel/Cabernet-Konfitüre und Rosenlikör, alles sorgfältig von Hand hergestellt. Nach ausgiebigem Probieren entschlossen wir uns für ein Glas „Kokos-Dulce de Leche“. (Dulce de Leche ist das mit Abstand populärste und süsseste Nahrungsmittel Argentiniens – eine Art Caramel-Kondensmilch als Brotaufstrich. Einfach himmlisch und perfekt, um die wegen der peruanischen Magenverstimmung verlorenen Kilos wieder reinzholen. *g*)

Nach diesem „zweiten Frühstück“ waren wir dann so richtig gerüstet für den eigentlichen Grund unseres Ausflugs, die Besichtigung der Weingüter „Lagarde“, „Pulmary“ und „Alta Vista“. Richtig schöne Anlagen, interessante Führungen und diverse gute Tropfen um zu probieren und vergleichen... ein super Erlebnis, und dies zu absolut fairen Preisen. Da könnte man sich im überheblichen Napa Valley gerne ein Beispiel an den Argentiniern nehmen.

Den folgenden Tag verbrachten wir dann auf Nicole‘s Wunsch im Thermalbad, idyllisch am Fuss der Anden gelegen. Reisen ist ja schon ein harter Job, da braucht man ab und zu einfach etwas Erholung. J

Zudem gönnten wir uns danach eine Nacht ausserhalb der Stadt, in einer kleinen Lodge der Weinregion Maipu. Absolutes Highlight war hier der verspielte Labrador „Soki“, aber auch die dort ansässigen Weingüter „De Tommasi“, „Trapiche“ und „La Rural“ waren einen Besuch wert.

Nach sieben Nächten in dieser Region mussten wir uns schweren Herzens von Mendoza und Argentinien verabschieden, und die kurze Fahrt über die Berge nach Santiago de Chile antreten. Mal abgesehen davon, dass der chilenische Grenzbeamte den Einreisestempel prominent auf die erste Seite meines Passes (Abschnitt „Amtliche Ergänzungen“) drückte, verlief die Einreise ziemlich ereignislos. Merkwürdig war höchstens unsere Unterkunft in Santiago im Stil „WG-Zimmer in Angestelltenwohnung (nicht im Hostelgebäude) mit angrenzender Indoor-Hanfplantage“. Immerhin konnten wir uns tagsüber im eigentlichen Hostel aufhalten, und nach zwei Nächten auch dorthin „umziehen“.

Ansonsten liefen wir uns in der weitläufigen und modernen Hauptstadt noch die letzten Milimeter des Profils von unseren Schuhsohlen und genossen die kurzweiligen Gespräche mit meiner Cousine Sandra und anderen Reisenden. Unser Tagesausflug nach Valparaiso war im Nachhinein gesehen jedoch ziemlich überflüssig, so suchten wir während Stunden den vielbeschriebenen Charme der Hafenstadt – leider ohne Erfolg. J

Wir liessen also unsere letzten Stunden vor dem Flug mit einem kulinarischen „Best of South America“ ausklingen (Avocado, Mango, Dulce de Leche, Chifles...) und schwelgten nochmals in Erinnerungen der letzten vier Monate, bevor’s dann endgültig hiess: Adios America del Sur, hello New Zealand.

Schön anzuschauen, auch unverarbeitet - Weinreben in Mendoza

Das Weingut "Alta Vista"
Des Eigentümer's persönliche Reserve - Alta Vista
In den Thermalquellen
Hulk mit Schlammpackung :-)

Degustationssaal im Weingut "La Rural"
Santiago de Chile vom Cerro San Cristobal aus gesehen
Hier haust der Präsident...
Santiagos Wahrzeichen: Die "Virgen" auf dem Cerro San Cristobal
Chile's modernste Verkehrsteilnehmer :-)
Valparaiso

24. Januar 2013

Fjordfahrt nach Norden

Mag es am heissen Wetter in Bariloche liegen? Oder an den zahlreichen Bodegas mit wunderbarem Malbec in Mendoza - kombiniert mit heissem Wetter? Jedenfalls geben wir es zu: wir waren in letzter Zeit etwas schreibfaul :-) Und wer Argentinien und Chile etwas kennt, weiss, zwischen Mendoza und Puerto Natales - wo unser letzter Blogeintrag endete - liegen doch ein paar Kilometer dazwischen. So versuche ich mich bei 30 Grad unter einem schattenspendenden Blätterdach an die etwas kältere Zeit zurück zu erinnern...

Puerto Natales war der Ausgangspunkt für unsere 4tägige Fährfahrt auf der Evangelista - ein Transportboot der Navimag, welches auch immer 150 - 200 Touris mitnimmt. Eine wunderschöne Fahrt durch eine eindrückliche Fjordlandschaft, mit Passagen gerade mal 65 Meter breit, vorbei an einem Gletscher mit schwimmenden Eisbergen... mit dem Endziel Puerto Montt. Wir hatten uns bereits einige Wochen vorher zwei Betten in einer 4er-Kabine ohne Fenster gesichert, da die Fähre nur einmal in der Woche Richtung Norden fährt. Trotz eher engen Verhältnissen in der Koje war es gemütlich und die Tage vergingen wie im Fluge. So schön es auch war, nach vier Tagen waren wir froh, nicht länger um's Essen kämpfen zu müssen und etwas mehr Platz zu haben :-) In Puerto Montt blieben wir lediglich eine Nacht - eigentlich war auch das schon zu viel... Für den nächsten Tag hatten wir im Vorfeld den Bus nach Bariloche in Argentinien gebucht. Leider musste auch dieser Bus bereits vor der Fahrt in die Werkstatt und so warteten wir mal wieder 90 Minuten - kein Wunder: es war eine argentinische Busfirma. :-O Immerhin hatten wir das Glück, dass der wegen eines Brandes vorübergehend geschlossene Grenzübergang wieder offen war - kombiniert mit der argentinischen Fahrweise waren die 90 Minuten Verspätung schnell wieder aufgeholt :-)

In Bariloche hatten wir uns ein Hostel etwas ausserhalb reserviert - somit lernten wir auch sogleich den Ortsbus kennen... Nunja, nur so viel: rechne damit, dass die ersten zwei Busse nicht anhalten, auch wenn du wie wild winkst oder dass der Busfahrer mal kurz vergisst anzuhalten, wenn du raus möchtest... ;-)
Die Stadt Bariloche hatten wir uns etwas gemütlicher vorgestellt - es war einfach sehr sehr touristisch. Die Natur hingegen und die vielen glasklaren Seen sind wunderschön und laden zum wandern und verweilen ein. Wir besuchten den Markt der Colonia Suiza, lernten den Original Alp-Öhi kennen und bewanderten den Circuito Chico - ganz gegen den Trend der Touris, welche dies mit dem Mountain-Bike auf der viel befahrenen Asphaltstrasse tun.

Ach ja, und da war ja noch etwas: Stefan's Geburtstag!!! :-) Seine Cousine Sandra kam extra nochmals zurück nach Bariloche und so feierten wir seinen "Runden" in einer gemütlichen Cerveceria - zum ersten Mal im Leben in kurzen Hosen und bei 25 - 30 Grad :-)

Für die Fahrt nach Mendoza war zum letzten Mal ein Nachtbus angesagt. Diese Fahrt war zum Abschluss versöhnlich angenehm... und Mendoza - ja das geniessen wir noch ein paar weitere Tage :-)

Navimag-Fähre Evangelista
Ja es war teilweise wirklich eng...
...und kalt.

Es bleibt offen ob dies ein Navimag Boot war...
Da hätten ein paar LKW's mehr platz gehabt...



Schön war's :-)
Aussicht vom Campenario in Bariloche
Für einmal mit dem Sessellift

Alpöhi der Colonia Suiza mit feiner Schoggi
Aussicht vom Cerro Llao Llao







11. Januar 2013

In Patagonien

In Puerto Madryn stellten wir schnell fest, dass die Wetterbedingungen im Süden ein bisschen rauher sind als im warmen Norden Argentiniens. So stopften wir unsere Wollmützen und Handschuhe griffbereit in’s Handgepäck und schnappten uns den nächsten Nachtbus unserer Reise, noch weiter Richtung Südpol, mitten in’s „Herz Patagoniens“. So standen wir dann einen Tag später in der Kleinstadt „El Calafate“, merkten aber erst mal gar nichts von der Abgeschiedenheit und Einsamkeit der Region... Edelrestaurants, teure Hotels, ein Casino; so quasi das St. Moritz der Südhalbkugel - einfach ohne Skipisten. J

Die Hauptattraktion der Region ist aber ohnehin nicht die Stadt selbst, sondern der spektakuläre Gletscher „Perito Moreno“. Wir reservierten uns gleich einen Nachmittag für dieses Naturwunder, und es hat sich definitiv gelohnt. Die bis zu 77m hohe, blau schimmernde Gletscherwand ist schon im ruhigen Zustand sehr beeindruckend. Da sich der Gletscher täglich 2 Meter fortbewegt, fallen auch immer wieder Eisblöcke in den See und treiben dann als Eisberge im Wasser. Das Beobachten des Gletschers war dann auch 100mal spannender als alle Filme die wir bisher in den lokalen Bussen zu sehen bekamen (wobei diese Messlatte auch nicht sehr hoch liegt. J). Und knappe 5 Minuten bevor wir diesen magischen Ort verlassen mussten, gab’s dann tatsächlich noch ein „Abschiedsfeuerwerk“: Ein hausgrosser Eisblock löste sich krachend aus der Felswand und stürzte mit Getöse in die Fluten. Leider war zu diesem Zeitpunkt der Akku unserer Kamera bereits leer... wir hatten zuvor mehrere Videos von diesem Eisblock gedreht, wie er seelenruhig in der Wand stand und einfach nicht runterfallen wollte. J

Weiter ging’s dann am letzten Tag im 2012 in das Bergdorf „El Chaltén“. Obwohl auch hier der Tourismus im grossen Stil angekommen ist, konnte dieser Ort irgendwie seinen Charme behalten. Wunderschön gelegen in einem Flusstal, „beschützt“ von der überragenden Silhouette des Berges „Fitz Roy“... einfach idyllisch. Ins neue Jahr starteten wir dann mit zwei Wanderungen zu den Gletscherseen „Laguna Torre“ und „Laguna Capri“, und das bei unpatagonisch wunderschönem Wetter.

Richtiges „patagonisches“ Klima gab’s dann ein paar Tage später im chilenischen Nationalpark „Torres del Paine“. Kaum angekommen begann es zu regnen, aufgrund der Winde teilweise waagrecht, und wegen Nebels konnten wir von der Natur auch nicht wirklich viel erkennen. Wir wanderten trotzdem mal los, kapitulierten jedoch bald mal vor dem Regen, und kehrten wieder zu unserer trockenen Schutzhütte zurück. Was uns jedoch auffiel, waren die Menschenmassen, welche auf dem berühmten W-Wanderweg des Parks unterwegs waren. Wir entschieden uns deshalb am nächsten Tag für eine weniger bekannte Route entlang eines Gletschersees. Landschaftlich vielleicht nicht ganz so interessant, aber da uns auf 18km Wanderweg nur gerade 5 Wanderer begegneten, fühlten wir uns endlich mal so wie wir’s uns vorgestellt hatten: Ganz nahe am „Ende der Welt“. J

Und dann wäre da noch ein weiters Kapitel zu „Chile – das zivilisierteste Land Südamerikas“. Wie im vorletzten Blog erwähnt machten wir in bei unserer ersten Einreise im Norden dieses Landes schon ein paar ungemütliche Erfahrungen. Diese hatten wir aber erfolgreich verdrängt und freuten uns, im kühlen Süden erneut einzureisen. Kaum an unserem Zielort in Puerto Natales angekommen mussten wir jedoch feststellen, dass unser Hostel unsere Reservation falsch notiert hatte, und wir deshalb für die Nacht nach der Rückkehr aus dem Nationalpark plötzlich eine neue Unterkunft suchen mussten. Immerhin organisierte uns die Empfangsdame ein Zimmer in einem Hotel, wo wir dann auf andere Reisende trafen, welche offensichtlich auf dieselbe Weise dort landeten. Unser Gedanke: Wer einen Internet-Reservationsservice anbietet, sollte vielleicht vorher schon mal einen Computer bedient haben. J Zum Glück gibt's in Puerto Natales ein gemütliches Kleinbrauerei-Restaurant... und nach ein paar Gläsern selbsgebrautem Bier und einem Kilogramm Pommes haben wir uns mit Chile doch noch angefreundet. J

Noch was für Statistiker: Mittlerweile haben wir in Südamerika schon über 240 Stunden, oder anders ausgedrückt 10 volle Tage, in Bussen verbracht. Fazit: In Neuseeland mieten wir wieder ein Auto. J


Angekommen im tiefen Süden
Ja, es war kalt. J
Gletscher "Perito Moreno"
Eine halbe Sekunde zu spät... Flutwelle nach dem Abbruch eines Eisblocks
Prost!

Wandern in "El Chaltén"
Laguna Torre mit dem Berg "Cerro Torre"
Das ganze Panorama ohne Wolken (links: Cerro Torre, rechts: Fitz Roy).
Am südlichsten Punkt unserer Reise....
Endlich mal ein Foto, wo man den Wind "sieht" - Torres del Paine
Gletschersee im Nationalpark

Immerhin zwei Drittel des "Paine Grande" waren zu sehen. :-)